Ob Ihr es glaubt oder nicht: Ich habe es fertiggebracht, mir meine Finger einzuklemmen. Nix schlimmes, aber gestern wurde das schon wieder nix mit faserfimmeln – nur ein paar Reihen an einem Socken.

Aber heute ist mir eingefallen, daß ich ja noch garnicht von meinem Besuch im Castell Henllys in Wales erzählt habe. Und da in der Yahoo-Group von Meet-to-knit derzeit u.a. über’s Weben diskutiert wird, ist es jetzt wohl an der Zeit für den Bericht:

Castell Henllys ist ein Eisenzeit Fort in Wales, das für meinen Geschmack gute pädagogische Arbeit macht (u.a. werden Schulklassen von “echten” Ironage-Menschen begrüßt und man erzählt sich dann gegenseitig vom eigenen Alltag – einfach toll, wie die Kinder erklären was Strom oder ein Handy ist….)

U.a. haben sie auch eine Mitarbeiterin, Pam, die sich mit der Herstellung von Stoffen zu der damaligen Zeit beschäftigt – theoretisch und praktisch.

Ihr Mann und sie haben mehrere Gewichtswebstühle gebaut und weben darauf, daß einem der Atem stockt:

Gewichtswebstuhl

fertiges gewebe

Und hier nochmal im Detail:

eisenzeit gewebe

Weben mit mehreren Schäften auf dem Gewichtswebstuhl. Ich war wirklich beeindruckt. Und alles Garn mit der Handspindel gesponnen.

Handspindeln

Garnlieferanten sind die hier

eisenzeit schafe

Eine Rückzüchtung. Und Pam erzählte, daß zur Eisenzeit die Möglichkeiten zur Bearbeitung von Metallen noch nicht so weit fortgeschritten waren, daß man Scheren zur Schafschur herstellen konnte (die, die aus einem Stück gemacht sind). Daher hätten die Menschen damals die Wolle im reinsten Wortsinne aufgesammelt.

Pam verarbeitet die Wolle entsprechend grammweise. Kämmen mit einem “normalen” Kamm aus Knochen, spinnen mit der Handspindel.

Grundsätzlich sind mir die Arbeitsschritte ja vertraut, aber so ein Spinnrad oder eine Kardier”maschine” sind doch was Feines!

Ich kann garnicht sagen, was mich am meisten beeindruckt hat. Wahrscheinlich wie wenig sich eigentlich seit der Eisenzeit verändert hat, wie alt und relativ unverändert unser “Hobby” ist. Und natürlich, daß es auch alles ohne das bißchen Technik geht, daß wir so einsetzen – Spinnrad, Kardiermaschine, Webrahmen/-stuhl.

Wer also zufällig in der Nähe ist (Pembrokeshire, Wales), sollte unbedingt vorbeischauen. Und besser vorher fragen – Pam ist nur an manchen Tagen da. Und sie hat übrigens auch mit Nadelbinden Erfahrung. Denn etwas wichtiges war in der Eisenzeit noch nicht erfunden: Das Stricken.