hier ist sie:

Sie gefällt mir gut, sie paßt gut – sie wiegt aber rund 600 Gramm. Hhm. Eindeutig nur was für kalte Tage.

Hier nochmal ein Detail:

Alles mit Nadel 12.
Jetzt bin ich gespannt, wie sich das Ganze im täglichen Gebrauch macht; ganz besonders bin ich auf eventuelles Pilling gespannt.

Und hier der Bericht aus Spanien:
Also zu allererst: Viele haben gefragt, ob das denn einfach so gehe, mit Enteignung und Abriß. Die Antwort lautet: Ja.

In Spanien gibt es ein Gesetz (LRAU), das eigentlich helfen soll, typische Tourismus-Bausünden unkompliziert aus der Welt zu schaffen. Dieses Gesetz führte aber in den vergangenen Monaten dazu, daß ohne viel Federlesens zahlreiche (ausländische) Eigentümer enteignet und ihre Immobilien abgerissen wurden. Das deutsche Fernsehen berichtete u.a. bei “Report München” (Valencia) und bei “Brisant” (Mallorca) darüber.

Wenn ein potentieller Investor min. 25% der Fläche besitzt, kann der Rest enteignet werden. “Enteignet” heißt hier nicht etwas, daß der Verkehrswert (also das, was die Immobilie kürzlich noch auf dem Markt gebracht hätte) gezahlt wird. Im schlimmsten Fall hätten wir also unsere Wohnung verloren und so gut wie nix (oder auch nix) dafür bekommen.

Da wir aber beide sehr an dieser Wohnung hängen, viel hineingesteckt haben, unser Berufsleben so verändert haben, daß wir viel Zeit in Spanien verbringen können und – nicht zuletzt – mittlerweile auch viele enge Freunde dort haben, haben wir gekämpft.

Und mit uns Tausende.

Die Gemeinde, in der wir in Spanien “zu Hause” sind (sorry, ich tue mich mit Begriffen wie “zu Hause” oder gar “Heimat” ein bißchen schwer), hat also leise ihren Bebauungsplan im Rathaus zur Einsicht ausgelegt. Dieser Plan besteht aus zahlreichen Projekten. Eines ist eben der Abriß unseres gesamten Viertels mit ca. 400 betroffenen Parteien.

Betroffen sind aber auch noch 3 weitere, ebenfalls große Wohngebiete sowie auch ein weiteres, das aber nicht Bestandteil dieses Babauungsplanes ist, aber ein ähnliches Schicksal erfahren sollte.

Und dann ging der Sturm los. Wir wußten es tatsächlich mit als erste. Die spanischen und katalanischen Nachbarn haben es zum Teil von uns erfahren.

Die Stadt muß über den Bebauungsplan öffentlich informieren. Dazu hat sie leise eingeladen. Gekommen sind hunderte. Der größte Saal der Stadt konnte nicht alle aufnehmen. Der Bürgermeister und der Baudezernent wollten nun auf catala informieren. 80% der Anwesenden sprachen aber nur castellano. Daher haben selbst catala-sprechende Teilnehmer darum gebeten, doch bitte in castellano zu diskutieren, damit alle mitreden könnten. (Vielleicht nochmal zum Hintergrund: Castellano ist “spanisch”, catala ist eine eigene Sprache; beide stehen etwas zueinander wie Deutsch und Holländisch; Catala war bis 1978 verboten, heute hat Katalonien 2 Amtssprachen; wer vor 1978 die Schule besucht hat, spricht (auch)castellano; die Jüngeren lernen es derzeit ab der 3. Klasse als Fremdsprache). Schon wegen der Sprache gabs viel Wirbel. Bürgermeister und Stadtrat wurden ausgebuht. Schon Ende Januar machte der Bürgermeister erste Rückzugsversuche, kann aber alleine ja nicht entscheiden, wie es mit dem Bebauungsplan weitergeht.

Dann haben zunächst die Gruppen Widerspruch eingelegt (Groupos sind Eigentümergemeinschaften, von ca. 10-30 Parteien). Dann war die nächste Info-Veranstaltung. Dann haben viele Eigentümer noch einmal individuellen Widerspruch eingelegt. Der Bürgermeister tat nun beleidigt. Man könne doch normal über die neuen Pläne reden, man müßte doch nicht gleich so ein Theater veranstalten.

Also, ich persönlich finde, daß wir soo ein Theater noch garnicht veranstaltet hatten.

Im Hintergrund haben wir (also mein Mann und ich) natürlich zuerst einen deutschen Anwalt eingeschaltet, dann mit der Gruppe einen spanischen. Dann haben wir uns ans Konsulat gewandt. Weil wir von dort eine blöde Antwort erhielten, haben wir direkt ans Außenministerium geschrieben. Von denen haben wir einen netten und sinnvollen Brief erhalten. (Mittlerweile hat sich auch der Generalkonsul höchstpersönlich um unser Problem gekümmert).
Dann haben (ziemlich viele) Nachbarn ihre EU-Abgeordneten angeschrieben; im letzten Jahr gab es bereits einen Petitionsausschuß, der sich mit den Enteignungen in Valencia beschäftigt (und zu dem Schluß kommt, daß sie rechtlich möglich sind, aber gegen die Menschenrechte verstoßen). Die ersten Antworten waren auch noch in der Art “wenn Sie ein rechtliches Problem haben, müßen Sie sich einen Anwalt nehmen”; mittlerweile hat sich der Vorsitzende des Petitionsausschusses für April zu einem Besuch angekündigt.

Mein Job war es, die Website und das Forum mit allen Neuigkeiten zu füttern und somit die Aktivitäten der deutschsprachigen Betroffenen zu koordinieren. Und das hat geklappt. Hah.

Über unsere deutschsprachige Website wurde eines Tages in der örtlichen Presse berichtet. Mich haben darauf hin sehr viele Unbekannte gegrüßt (da wir die Website eigentlich nutzen, um unsere Wohnung zum Tausch anzubieten, sind da auch Bilder von uns und unserer Wohnung drauf; außerdem heißt die Website wie der Ort, in dem wir zu Hause sind, nur hinten halt “.de” – ordentliche Katalanen verweigern natürlich die Top-Level-Domain “es”, katalansiche Seiten enden meist auf “.org” oder “.com” – daher fanden viele liberale Katalanen und Spanier unseren Domainnamen schon witzig).

Und: Unser spanischer Verwalter hat uns erzählt, das wir viele damit inspiriert hätten – Spanien ist ja in weiten Teilen noch Internet-Entwicklungsland. Und es gäbe da im Ort einige Jugendliche, die mit dem Bürgermeister auch noch ein Hühnchen zu rupfen hätten, und die hätten jetzt ebenfalls eine Website und ein Forum…

Da aber aus dem ganzen Bebauungsplan und der ganzen Abwicklung der Verdacht erwächst, daß es bei der ganzen Sache um die Wahrung einzelner privater Interessen geht, stellen sich die Bürger der Stadt mittlweile aus Prinzip quer. So soll zum Beispiel ein Camping-Platz zu einem Baugebiet umgewidmet werden. Ansich ja für die Anwohner nicht so übel. Aber: Der Eigentümer des Platzes sitzt im Stadtrat und man vermutet, daß er sehr eigene Interessen hat – und wirft ihm daher mittlerweile Knüppel zwischen die Beine. Gab es gegen diesen Teil des Planes bisher keine Widersprüche, so trudeln dazu nun die ersten ein…

Und noch so eine Anekdote: Bei uns im Barrio ist ein nahezu quadratischer Bereich vom Abriß betroffen. An allen Seiten von einer geraden Straße begrenzt. Aber ähnlich wie in Gallien gibt es da ein Gebäude, daß nicht betroffen ist. Dieses Gebäude nun wieder gehört einem Immobilien-Makler, der einen Teil seines Geldes auch mit der Verwaltung von Eigentumswohnungen verdient (in Spanien braucht man einen Verwalter, der ein spezielles Zertifikat hat, also meist ein Spanier ist). Sein Gebäude ist also nicht betroffen. Merkwürdiger Zufall. Und die Eigentümer der Wohnungen, die er verwaltet und die betroffen sind, wurden von ihm nicht über den möglichen Abriß informiert. Auch da macht sich nun also einleise Verdacht breit. Und: Ich weiß von wenigstens einer Eigentümergemeinschaft, die gerade diesen Verwalter gegen unseren “austauscht”.

Im Moment sieht es also für uns gut aus. In unserer Urbanisation wurde einer Gruppe lange Zeit ein Bauantrag zur Außenrenovierung verweigert – letzte Woche haben sie ihn erhalten. Unser Verwalter ist zuversichtlich, daß der Plan zurückgezogen werde.

Leider weiß ich nicht bis ins Detail, was die “spanische Seite” so alles eingefädelt hat. Wir hatten bisher keine Zeit, mit den Verantwortlichen darüber zu reden.

Eine betroffene ältere Dame hat den Bauderzernenten arg beleidigt; die Zeitungen berichteten darüber: Sie warf ihm vor, daß sein Großvater ein Straßenräuber gewesen sei und sein Brot auch schon mit Waffengewalt verdient haben. Diese Beleidigung hat für immens viel Wirbel gesorgt. Hintergründe dazu kenne ich leider noch nicht.

Im Moment wirkt das ganze auf mich merkwürdig. Ich kann mir nicht vorstellen, wie jemand tausende von Menschen um ihr Eigentum bringen will (Entschädigungen waren laut Wirtschaftlichkeitsstudie übrigens keine vorgesehen!) und dann nach wenigen Wochen halbwegs massiven Widerstands so einfach umkippt. Haben die wirklich geglaubt, da wohnten nur senile ausländische Rentner?

Und: Wir haben nur Widerspruch eingelegt und die Informationsveranstaltungen besucht (naja, und die Presse informiert). Wir haben nicht ernsthaft demonstriert, wir haben keine Transparente an den Balkonen hängen, wir hatten kein Sit-in im Rathaus, wir haben keine Bagger blockiert… Ich wüßte zugern, was da hinter den Kulissen noch gelaufen ist.

Aber da wir in vier Wochen wieder in Spanien sind (im März ist unsere reguläre Eigentümer-Versammlung und mein Mann ist ihr President), werden wir wohl bald mehr wissen.

Soviel aus Spanien. In den nächsten Tagen bleibts hier hektisch. Die Arbeit im Kampf gegen die Enteignung geht noch solange weiter, bis wir definitiv wissen, daß der Bebauungsplan geändert wurde. Gleichzeitig müssen wir hier aber noch Tagesgeschäft nachholen und erledigen, denn eigentlich hatten wir nicht geplant, mal eben 3 Wochen nach Spanien zu fahren.

Und: Wenn mir noch ein Dödel sagt: “Ach, Sie waren in Spanien – ich bin auch urlaubsreif” dann begehe ich einen Mord. Wir hatten in Spanien eine 7-Tage Woche und haben an den meisten Tagen 10 Stunden gearbeitet(wir hatten einen faulen Sonntag und waren einmal Calcots essen). Wir haben definitiv nicht auf der faulen Haut gelegen und jetzt pressiert das eine oder das andere auch ein bißchen.

Aber jetzt wird gestrickt. Und wenn die Welt untergeht.